Fachinformationen für Ärzte und Psychotherapeuten

Kostenträger
Das St. Franziska-Stift ist eine psychosomatische Fachklinik mit einem Versorgungsvertrag nach § 111 SGB V. In der Klinik werden stationäre und teilstationäre Rehabilitationsmaßnahmen für Rentenversicherungsträger, gesetzliche Krankenkassen und andere Sozialversicherungsträger durchgeführt. Es bestehen Belegungsvereinbarungen mit der Deutschen Rentenversicherung Bund und der Deutschen Rentenversicherung Länder. Bei privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen ist die Klinik als gemischte Krankenanstalt klassifiziert. Sie führt neben Krankenhausbehandlungen auch Rehabilitationsbehandlungen („Heilbehandlungen“, „Sanatoriumsbehandlungen“) durch. Mit einigen Ersatzkassen besteht ein Vertrag im Rahmen der Integrierten Versorgung (IV) „Psych-direkt“, der eine kurzfristige ambulante diagnostische Abklärung, eine schnelle Aufnahme im Rahmen der Tagesambulanz oder eine umgehende Versorgung durch ambulante Psychotherapie ermöglicht.

 

Zur Aufnahme muß eine Kostenübernahmeerklärung des Kostenträgers vorliegen, die über einen Antrag des Versicherten für eine Rehabilitationsmaßnahme bei dem Rentenversicherungsträger oder der gesetzlichen Krankenkasse oder einen Antrag auf Kostenübernahme bei der privaten Krankenkasse oder der Beihilfestelle erwirkt werden kann. Selbstzahler können unmittelbar aufgenommen werden.

 

Das Haus
Die Klinik wurde 1991 als Modellprojekt mit Förderung des Sozialministeriums des Landes Rheinland-Pfalz gegründet und hat mehr als 180 stationäre und teilstationäre Behandlungsplätze. Die Patienten sind überwiegend in Einzelzimmern untergebracht. Die Zimmer sind mit Dusche/WC und Durchwahltelephon ausgestattet. Für Privatpatienten gibt es Einzelzimmer mit Komfortausstattung.

 

Die Klinik hat eine gut ausgestattete Abteilung für medizinische Diagnostik. Sie verfügt über eine balneophysikalische Abteilung, Räume für medizinische Trainingstherapie, Sporthalle und Schwimmbad.

 

Indikationen und Kontraindikationen

In der Klinik werden Patienten mit folgenden Störungen behandelt:

 

  • Depressive Störungen (ICD-10 F 32, F 33)

  • Angststörungen (ICD-10 F 40, F 41)

  • Zwangsstörungen (ICD-10 F 42)

  • Belastungs- und Anpassungsstörungen (ICD-10 F 43)

  • Posttraumatische Störungen (ICD-10 F 43.1)

  • Dissoziative Störungen (Konversionsstörungen) (ICD-10 F 44)

  • Somatoforme Störungen und Schmerzstörungen (ICD-10 F 45)

  • Essstörungen (Anorexie, Bulimie) (ICD-10 F 50)

  • Persönlichkeitsstörungen (ICD-10 F 60)

  • Essstörung mit Adipositas

  • Tinnitus

  • Burn-Out und Überforderungssyndrome

 

Behandelt werden erwachsene Patienten. Patienten mit Essstörungen und postraumatischen Belastungsstörungen können bereits mit 17 Jahren mit Einverständnis der Sorgeberechtigten und des Kostenträgers aufgenommen werden.



Es ist eine stationäre oder eine ganztägig ambulante (teilstationäre) Behandlung und Rehabilitation möglich. 

 

Nicht behandelt werden können Patienten mit

 

  • Alkohol- oder Drogenabhängigkeit

  • akuter Suizidalität

  • akuter psychotischer Symptomatik

  • hirnorganischen Störungen

  • ausgeprägter Pflegebedürftigkeit

  • eingeschränkter Fähigkeit zur Teilnahme an Gruppen

  • eingeschränkter Sprach- und Kommunikationsfähigkeit

 

Gesunde Kinder bis zum Alter von 12 Jahren können als Begleitpersonen aufgenommen werden. Sie werden während der Therapiezeiten von 8.30 – 17.00 h in eigenen Räumen von Erzieherinnen betreut. Psychosomatisch erkrankte Kinder von Patienten können nach Absprache und Kostenbewilligung zeitgleich im benachbarten Viktoriastift, einer Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche, behandelt werden.



Behandlungskonzept
Die Klinik arbeitet mit einem integrierten und differenzierten bio-psycho-sozialen Behandlungskonzept. Die psychosomatisch-psychotherapeutische Behandlung und Rehabilitation ist auf die Erhaltung oder Wiederherstellung der Teilhabe eines Patienten am Leben in Familie, Beruf und Gesellschaft entsprechend seinen Möglichkeiten ausgerichtet. Die Therapie ist multimodal, multiprofessionell und interdisziplinär. Das Therapieprogramm ist individuell ausgerichtet, zielorientiert und erfolgskontrolliert.

 

Zentrale Merkmale des Behandlungsansatzes sind:

 

  • die differentielle Indikationsstellung bei Aufnahme

  • Behandlungsmöglichkeiten in den beiden anerkannten Therapierichtungen, Verhaltenstherapie und psychoanalytisch orientierte Psychotherapie, unter partieller Integration anderer Therapieelemente

  • Behandlung mit einem störungsbezogenem Therapieprogramm bei Adipositas, Somatisierungsstörung, Schmerzstörung, Essstörungen (Anorexie, Bulimie), Angst, Depression und posttraumatischer Belastungsstörung

 

Die Zuweisung eines Patienten zur Behandlung auf einer Station der verhaltenstherapeutischen oder der psychoanalytischen Abteilung erfolgt nach den Vorbefunden und ggfs. einer psychosomatischen Abklärung am Aufnahmetag. Explizite Wünsche des Patienten und direkte Empfehlungen des behandelnden Arztes oder Psychotherapeuten werden berücksichtigt.




Diagnostik
Es wird eine psychotherapeutische, psychiatrische, rehabilitative und sozialmedizinische Eingangs- und Verlaufsdiagnostik durchgeführt. Die medizinische Eingangsdiagnostik umfasst eine ausführliche Aufnahmeuntersuchung, Routine-EKG und laborchemische Untersuchungen. Für internistische Funktionsdiagnostik stehen EKG, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Langzeitblutdruckmessung, Sonographie und Endoskopie im Hause zur Verfügung. Eine psychosomatisch qualifizierte Gynäkologin ist wöchentlich an einem Vormittag für gynäkologische Untersuchungen, apparative Diagnostik und Beratungen im Hause. Ein orthopädischer Oberarzt eines nahegelegenen Akutkrankenhauses kommt regelmäßig zu Konsiliaruntersuchungen in die Klinik. Zur Schlafdiagnostik besteht eine Kooperation mit einer Herz-Kreislauf-Klinik am Ort. Weitere erforderliche fachärztliche Abklärungen erfolgen durch konsiliarische Vorstellung in den Fachabteilungen der Akutkrankenhäuser am Ort oder bei niedergelassenen Fachärzten.




Behandlungsverfahren
Auf der Grundlage der Vorbefunde und Eingangsdiagnostik sowie der Therapieziele wird ein individueller Behandlungs- und Rehabilitationsplan erstellt, der für jeden Patienten ein spezielles Therapieprogramm vorsieht.

 

  • Einzel- und Gruppenpsychotherapie, verhaltenstherapeutisch oder psychodynamisch

  • medizinische Behandlung und medikamentöse Therapie

  • Bewegungstherapie (Feldenkrais, Konzentrative Bewegungstherapie)

  • Gestaltungstherapie, Kreativtherapie

  • Sozial-interaktionelle Therapie, Milieutherapie, pflegerische Therapie

  • Entspannungstherapie (Progressive Muskelrelaxation)

  • Ergotherapie, Arbeitstraining, Belastungserprobung

  • Sozialberatung, Sozialtherapie

  • Sport, medizinische Trainingstherapie

  • Ernährungsberatung

  • Gesundheitsbildung, Nichtrauchertraining

  • Physiotherapie
     

Behandlungsteam
Das gesamte Behandlungsteam der Klinik umfasst Fachärzte verschiedener Fachrichtungen, Ärzte in psychotherapeutischer Weiterbildung, psychologische Psychotherapeuten, Gestaltungs- und Ergotherapeuten, Bewegungstherapeuten und Sportlehrer, Physiotherapeuten, Krankengymnasten, Sozialarbeiter, Ernährungsberater, Fachpfleger und Fachschwestern für Psychosomatik.



Evaluation und Qualitätssicherung
Es findet eine systematische Evaluation der Behandlung durch Testverfahren und Fragebögen einschließlich von Katamnesen statt. Die Daten belegen gute und dauerhafte Behandlungsergebnisse.

Die Klinik führt eine systematische interne und externe Qualitätssicherung durch. Sie ist seit Februar 2007 nach IQMP-Reha und KTQ zertifiziert.



Aufnahmewege 

  • Rehabilitationsmaßnahme über Rentenversicherungsträger
    Antrag des Patienten bei der Deutschen Rentenversicherung Bund oder Land, Befürwortung des behandelnden Arztes

  • Rehabilitationsmaßnahme über die gesetzliche Krankenversicherung
    Antrag auf Kostenübernahme des Patienten bei der Krankenkasse oder Rehabilitationsantrag des behandelnden Arztes (Formular 60 bzw. 61)

  • Tagesambulanz (teilstationäre Behandlung) oder ambulante Psychotherapie im Rahmen
    der integrierten Versorgung „psych-direkt“

    Überweisung des Hausarztes an die Ambulanz des Chefarztes

  • Krankenhausbehandlung oder Sanatoriumsbehandlung über die private Krankenversicherung und Beihilfe
    Notwendigkeitsbescheinigung des behandelnden Arztes für eine Krankenhausbehandlung oder Rehabilitation in unserer Klinik, Antrag des Versicherten auf Kostenübernahme bzw. Anerkennung der Beihilfefähigkeit

 

Sollten Sie eine Behandlung in unserer Klinik für notwendig halten, können Sie dies ausdrücklich in Ihrem Gutachten vermerken oder in einer zusätzlichen Bescheinigung befürworten. Auch der Patient kann im Rahmen seines Wahlrechtes seinen Wunsch nach einer Rehabilitationsmaßnahme in unserer Klinik angeben. 

 

Weitere Informationen und Unterstützung
Für Auskünfte und weitere Informationen, zur kollegialen Besprechung Ihrer Patienten, zur Unterstützung bei der Beantragung der Kostenübernahme oder zu besonderen Vereinbarungen für die Aufnahme können Sie sich gerne an unseren Chefarzt Prof. Dr. Heinz Rüddel wenden. Sie erreichen ihn unter Tel. 0671 8820-200, am günstigsten in der Telephonzeit montags bis freitags von 8.00 - 8.30 Uhr.



Sie können Ihre Patienten zur psychosomatischen Abklärung und Vorbereitung der stationären Aufnahme gerne in der Ambulanz des Chefarztes vorstellen. Einen Termin dazu können Sie bei Frau Sylvia Laarmann unter Tel. 0671 8820-201 vereinbaren.