In unserer psychosomatischen Fachklinik werden Patienten mit Angsterkrankungen nach einem bewährten und wissenschaftlich evaluierten verhaltenstherapeutischen Konzept behandelt und rehabilitiert. Die Patienten erhalten zunächst Informationen zu ihrem Krankheitsbild und werden aufgeklärt über die physiologischen Abläufe der Angst, mögliche Ursachen sowie die Angsterkrankung aufrechterhaltenden Mechanismen (Teufelskreis der Angst).
Sie lernen, mögliche Zusammenhänge zwischen der Symptomatik, der Verstärkung des Angsterlebens und belastenden Situationen zu erkennen. Die Bedeutung von Gedanken im Rahmen des Angstteufelskreises und der Verstärkung des Angsterlebens wird erarbeitet und eine gedankliche Umbewertung angestrebt. Gemeinsam mit den Therapeuten werden individuelle Strategien zur Angstbewältigung erarbeitet und erprobt.
In einer Expositionsgruppe werden therapeutisch angeleitete Übungen zur Bewältigung von angstbesetzten Situationen durchgeführt. Hierbei erlernen die Patienten, sich ihrer individuellen Angst zu stellen und machen die Erfahrung von Erfolg und dem Wiedergewinn von bislang vermiedenen und oft nicht mehr für möglich gehaltenen Tätigkeiten, Situationen und Orten.

Die stationäre bzw. teilstationäre verhaltenstherapeutische Rehabilitation bietet ein kombiniertes gruppen- und einzeltherapeutisches Konzept mit folgenden Behandlungsbausteinen:

Einzelpsychotherapie
Im Bezugsrahmen einer verhaltenstherapeutischen stationären Gemeinschaft erfolgt die individuelle Betreuung durch einen Bezugstherapeuten. Dies ist entweder eine Psychologin oder Ärztin, die den Therapieplan mit dem Patienten abspricht und verfolgt. Es finden regelmäßige Einzelgespräche im Verlauf der Rehabilitationsbehandlung statt.

Verhaltenstherapeutische Basisgruppe
Die Basisgruppe dient der Erweiterung der Problem- und Konfliktlösefähigkeiten sowie der sozialen und emotionalen Kompetenzen. Angestrebt wird die Einübung lösungsorientierter Ansätze. Ziele sind die Vermittlung von Kompetenzen im Selbstmanagement und die Erarbeitung und Vertiefung von Wissen über die Bedingungen des eigenen Verhaltens, der Kognitionen und der Emotionen. Gesundheitsverhalten, Alltagsgestaltung, Stressbewältigung, Umgang mit Ärger und der Umgang mit unangenehmen Gefühlen sowie konkrete von den Patienten eingebrachte Themen werden gruppentherapeutisch aufgegriffen und bearbeitet.

Indikative Gruppe
Angstbewältigung In der Angstbewältigungsgruppe wird zunächst theoretisches und praktisches Wissen über die Entstehung und den Umgang mit Angsterkrankungen und Angstsymptomen vermittelt. Die Patienten werden theoretisch und praktisch angeleitet, wie Angst und Panik entstehen und wie ein hilfreicher Umgang damit praktisch umgesetzt werden kann. Durch die Informationen zu Angststörungen entwickeln die Patienten ihr individuelles Störungsmodell. Der Schwerpunkt der Gruppenarbeit liegt darauf, eigene Angstreaktionen und deren Auslöser besser zu verstehen und mit belastenden Ängsten besser umzugehen. Körperliche Angstreaktionen, typische Angstgedanken und das Verhalten in Angstsituationen werden thematisiert.
Im Mittelpunkt steht das Erlernen von hilfreichen Gedanken bei Angst und Panik und mögliche Verhaltensalternativen in angstbesetzten Situationen.

  • Konkret werden physiologische Grundlagen der Angst und Zusammenhänge zwischen Angst und Stress vermittelt.
  • Die Entwicklung des Teufelskreises der Angst wird dargestellt. Informationen zur Entwicklung von angstassoziierten Körperreaktionen werden vermittelt.
  • Identifikation und Modifikation dysfunktionaler Kognitionen wie z. B. der Abbau katastrophisierender Gedanken und die Einübung angemessener und entkatastrophisierender Gedanken.
  • Expositionsübungen in Form angemessener Konfrontation mit angstauslösenden Situationen werden vorbereitet.

Angstexpositionsgruppe
Zweimal wöchentlich findet eine therapeutisch angeleitete und begleitete Expositionsgruppe statt. Unter therapeutischer Begleitung lernen die Patienten, sich in einem abgestuften Konfrontationsprogramm ihren individuellen angstbesetzten Situationen zu stellen und werden ermutigt, in gestufter Form schrittweise ihren Handlungsspielraum und die durch vielfältige Ängste eingeschränkten Möglichkeiten des Alltagslebens wieder zu erweitern. Ziel ist es nicht, sich maximal gefährlichen Situationen auszusetzen, sondern sich alltäglichen Herausforderungen, die unangemessene Angst auslösen, wieder stellen zu können. Mit den Patienten wird in der Vorbereitung jeder Sitzung erarbeitet, an welchem Bereich und an welcher Situation sie arbeiten und welchen Situationen sie sich aussetzen wollen. Dabei erhalten sie die jeweils ihrem Störungsbild angemessene therapeutische Begleitung und Unterstützung. Die Patienten erleben zumeist schon während der Expositionstherapie eine deutliche Entlastung von Angstgefühlen und Rückgang der Beschwerdesymptomatik. Diese angeleiteten Expositionsübungen können angstauslösende Situationen in der Stadt oder in Geschäften sein, oder auch durch Fahrlehrer begleitetes Fahren mit dem Auto oder einem Lastwagen nach einer langen angstbedingten Vermeidungsgeschichte.

Entspannungstherapie
Jeder Patient erlernt in einer zweimal wöchentlich stattfindenden Therapiegruppe (progressive Muskelentspannung nach Jakobson) den Umgang mit der Entspannung bewusst zur Bewältigung von Angstgefühlen einzusetzen. Ziel ist die Senkung des oft erhöhten Erregungsniveaus, das immer wieder Anlass für die Auslösung von Angstgefühlen sein kann. Eine bessere Kontrolle physiologischer Reaktionen und die Entwicklung der Fähigkeit zur aktiven Entspannung sind hilfreich zur Verbesserung von Körpergefühl und Selbstvertrauen. Die gelernten Übungen werden selbständig weiter geübt und können in angstbesetzten Situationen bewusst zur Durchbrechung der Angstreaktion eingesetzt werden.

Sport- und Ausdauertraining
Sport kann ein gutes Instrument der Bewältigung emotionaler Krisen – auch im Rahmen einer Angsterkrankung – sein und eine Möglichkeit darstellen, sich mit seinem Körper und in der Interaktion mit anderen Menschen wieder wohler zu fühlen. Unser Sportangebot und ein angeleitetes Ausdauersportprogramm sind daher eine Möglichkeit, einerseits akut Spannung zu bewältigen, andererseits eine langfristig erfahrbare Verbesserung positiver Körperwahrnehmung zu erleben. Zudem kann die körperliche Fitness systematisch gesteigert werden. Das Vertrauen in den eigenen Körper nimmt wieder zu und bisher vermiedene Situationen können leichter aufgesucht werden.

Körpertherapie
Durch körpertherapeutische Verfahren (Feldenkrais oder Yoga) wird in der Behandlung von Angstpatienten eine Änderung der Aufmerksamkeit und der Wahrnehmung auf den eigenen Körper erreicht. Für den Patienten wird konkret erlebbar, seine Aufmerksamkeit auf den Körper aktiv steuern zu können. Die Patienten sollen wieder positive Körperempfindungen wahrnehmen können.

Ergotherapie
In der Ergotherapie werden kreative Fertigkeiten und das Ausdrucksvermögen der Patienten gefördert. Hierbei werden auch Techniken erlernt, die dem Patienten Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Belastbarkeit und Ausdauer vermitteln, damit seine erfolgreiche Wiedereingliederung ins Erwerbsleben gelingen kann.

Sozialtherapie
Viele Patienten mit Angsterkrankungen befinden sich in schwierigen beruflichen und sozialen Situationen, in denen die Teilhabemöglichkeiten sowohl am beruflichen als auch sozialen Leben erheblich gestört sind. Für den therapeutischen Prozess bedeutet das neben der Bewältigung der Angsterkrankung auch eine Reintegration in einen adäquaten sozialen Kontext mit beruflicher Tätigkeit und dem Aufbau förderlicher sozialer Beziehungen. Hierbei stellt die Sozialtherapie ein wesentliches Bindeglied von Therapieprozess in der Klinik zu der sozialen Realität in den heimischen Lebensbezügen dar. Dies kann die Planung einer realistischen beruflichen Perspektive bedeuten. Es können berufliche Belastungserprobungen mit einem Training der beruflichen Reintegration und damit eine Perspektive für eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit im bisher ausgeübten Beruf ermöglicht werden. Wo dies nicht mehr erreichbar erscheint, können andere Möglichkeiten entwickelt werden, die eine neue berufliche Perspektive für den Patienten darstellen. Auch andere Probleme wie eine Klärung der Wohn- und Lebenssituation, finanzielle Schwierigkeiten und anderes können hier thematisiert werden.

Pflegegespräche
Erster Ansprechpartner auf der Behandlungsstation ist immer die zuständige Pflegekraft im Stationszimmer. In der morgendlichen Stationsrunde werden interaktionelle und organisatorische Besonderheiten der Stationsgemeinschaft besprochen und die Voraussetzungen für das Erleben eines Raumes von Geborgenheit und Sicherheit im Klinikalltag gelegt. Aufgabe hier ist die Vermittlung eines Modells für den Aufbau und die Pflege einer alltagstauglichen Beziehung, Ansprechpartner für Krisengespräche zu sein bzw. Vermittler für Kriseninterventionen der Bezugstherapeutin. In einem als sicher erlebten Raum der Stationsgemeinschaft ist es für Angstpatienten möglich, sich mit angstauslösenden Situationen auseinanderzusetzen und zu konfrontieren. Außerhalb der Anwesenheitszeiten der Pflegekraft auf der Behandlungsstation steht immer eine Pflegeperson in der medizinischen Zentrale der Klinik zur Verfügung. So ist gewährleistet, dass für alle Patienten immer eine Ansprechperson in Krisensituationen zur Verfügung steht.

Körpermedizinische Behandlung
Jeder Patient wird durch einen zuständigen Arzt medizinisch betreut. Neben der Behandlung körperlicher Erkrankungen kann manchmal auch ein Einsatz von Medikamenten zur Unterstützung der Angstbehandlung sinnvoll sein.

Ergänzende Elemente
Die Rehabilitation im St. Franziska-Stift wird ergänzt durch unser Seelsorgeangebot, balneophysikalische Maßnahmen, Krankengymnastik, einen großen Medizinischen Trainingstherapieraum (MTT) und allgemeine Gesundheitsbildung. Unser Küchenteam und die hauseigenen Reinigungskräfte werden Ihnen einen angenehmen Rahmen für die Zeit in unserer Klinik bieten.

  • Etablierung einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung
  • Intensive Informationsvermittlung zur Psychophysiologie der Angsterkrankung
  • Entwicklung einer realistischen Erwartungshaltung bzgl. psychotherapeutischer Möglichkeiten und ein Abbau von speziellen Erwartungsängsten
  • Erarbeitung eines individuellen Störungsmodells mit auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen (biopsycho-soziales Modell)
  • Verbesserung der Kontrollmöglichkeiten angstauslösender Situationen
  • Konfrontation mit bislang vermiedenen angstauslösenden Stimuli
  • Durchbrechen des Teufelskreises der Angst
  • Erlernen von Techniken gegensteuernder Gedanken
  • Identifikation und Modifikation dysfunktionaler Gedanken und Einstellungen zur Angsterkrankung
  • Verbesserung der Entspannungsfähigkeit
  • Verbesserung der sozialen Kompetenz
  • Verbesserung von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl
  • Verbesserung der Lebensqualität und der Teilhabe
  • Reintegration in das Erwerbsleben

Angststörungen - modernes verhaltenstherapeutisches Behandlungskonzept